Notre Dame und das christliche Wertegefüge

Warum ich für „Mission Lifeline“ gespendet habe und was der Brand von Notre Dame damit zu tun hat.

Selbst ich als gottloser Mensch empfinde den Brand von Notre Dame als ein großes Unglück. Alleine der ideelle Verlust der Kirche mit seiner Geschichte, der wunderbaren Architektur und den Jahrhunderte alten Schätzen ist enorm. Und um wie viel unfassbarer wäre es noch, wenn Menschen bei diesem Brand ums Leben gekommen wären.

Und trotzdem kann ich nur den Kopf darüber schütteln, dass jetzt einmütig eingeschworen auf die „christlich-abendländische Tradition und Verantwortung“ innerhalb kürzester Zeit Hunderte Millionen Euro an Spenden fließen, um den Wiederaufbau der Kirche zu finanzieren, während weiterhin Menschen in Not im Mittelmeer ertrinken, weil diese „Christen“ ihnen Rettung und Aufnahme verweigern. Dieses „christliche Gewissen“ lässt sich offensichtlich nur durch Steine erweichen.

Weil mir der Brand von Notre Dame und die grotesk hohe Spendenbereitschaft zum Wiederaufbau wieder einmal schmerzhaft deutlich dieses unbarmherzige Wertegefüge von Kirche und Kapital vor Augen geführt hat, habe ich heute an Mission Lifeline gespendet, um ein kleines Zeichen der Hoffnung und Wertschätzung für deren Arbeit zu setzen.

Mein Vorschlag: Spart Euch Wut, Enttäuschung und Beleidigung. Das macht nur schlechte Laune und kommt nicht bei denen an, für die es eigentlich gedacht ist. Und selbst wenn es das würde, interessierte es sie nicht.

Wenn Ihr ein paar Euros übrig habt, dann spendet die an Organisationen, die wirklich humanitär arbeiten und deren Menschen dafür teilweise sogar ins Gefängnis gesperrt werden.

Eine Schwimmweste kostet 6 Euro. Just sayin‘.

3 Gedanken zu „Notre Dame und das christliche Wertegefüge

  1. Ich stimme dir komplett zu, Michael.
    Verzweifelte Flüchtende vor dem Ertrinken retten, reicht aber nicht. Wir müssen uns auch dafür einsetzen, dass die neokoloniale Ausbeutung beendet wird, deren Teil die Kriege und Verhältnisse sind, vor denen die Menschen flüchten.
    Wenn ich lese, dass einige afrikanische Länder durch Schulden erdrückt und unterdrückt werden, die nur einen Bruchteil unseres jährlichen Rüstungsetats ausmachen, könnte man auf die Idee kommen, anstelle aufzurüsten, einfach ein kleines Land nach dem anderen zu entschulden. Aber wer will das schon?

    • Hallo Sylvia,

      auch das stimmt natürlich. Meine Spende ist ein sehr kleiner Tropfen auf einen sehr heißen Stein.

      Aber: Selbst wenn wir sofort die Ausbeutung beenden und die Länder entschulden würden (was nicht passieren wird), wären gerade immer noch Millionen Menschen auf der Flucht. Die drehen dann ja nicht einfach um, sondern brauchen weiterhin Unterstützung.

      Es gibt an so vielen Stellen Möglichkeiten und Notwendigkeiten, zu agieren. Aber die politischen Entscheider verweigern sich. Das ist auf Dauer entmutigend.

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