Mit Rechten reden?

Die vergangenen Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg lassen mal wieder weite Teile der Republik schnappatmend und/oder ratlos zurück. Wie soll man mit dem Erfolg der Rechtspopulisten umgehen, und soll man nicht (auch mal wieder) das Gespräch mit den Enttäuschten und Abgehängten suchen, die ihr Heil einer rechtsnationalen, fremdenfeindlichen und reaktionären Partei anvertrauen? Schließlich haben ja „zwischen 23% und 27%“ der Menschen in Sachsen und Brandenburg diese Partei gewählt…

Das ist jetzt zwar nur ganz am Rande ein Bildungsthema (nein, mangelnde Bildung ist nicht das Problem… ich kenne studierte Menschen, die rechts wählen), aber ich habe ja schließlich auch einen Meinungs- und Bildungsauftrag. Und da ich Reflexionen dieser Art (auch mal wieder) nicht in den Alphamedien finde, muss ich es halt machen.

Was ist dran an den Prozentangaben?

Die Prozentangaben der Wahlstimmen pro Partei beziehen sich auf die abgegebenen gültigen Stimmen. Je nach Wahlbeteiligung gibt das aber ein eher unscharfes Bild der Wahlsituation.

Wer sich die Endergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg anschauen mag, der findet die sauber gelistet auf den Seiten des jeweiligen Landesamtes:

Die beiden folgenden Tabellen stellen die Stimmenanteile (Zweitstimmen) in Bezug auf die Anzahl der Wahlberechtigten im jeweiligen Bundesland dar:

Landtagswahl 2019 - Sachsen - absolute Zahlen

 absolutProzent der
Wahlberechtigten
Wahlberechtigte3287568100,00
Gültige Stimmen216621665,89
Nichtwähler112135234,11
CDU69549421,16
AfD59553018,11
DIE LINKE2244116,83
GRÜNE1868465,68
SPD1673785,09
FDP974252,96
Sonstige1991326,06

Landtagswahl 2019 - Brandenburg - absolute Zahlen

 absolutProzent der
Wahlberechtigten
Wahlberechtigte2088602100,00
Gültige Stimmen126503960,57
Nichtwähler82356339,43
SPD33124015,86
AfD29742914,24
CDU1969899,43
GRÜNE/B 901363266,53
DIE LINKE1355726,49
BVB / FREIE WÄHLER638793,06
FDP516042,47
Sonstige520002,49

Bezieht man die Nichtwähler mit ein, relativieren sich die Stimmenanteile und der Leidensdruck verringert sich.

Die Rechtswähler „abholen“?

Die AfD präsentiert sich ohne Visier, frisst immer weniger Kreide. Wer die AfD wählt, der macht das im vollen Bewusstsein, dass er damit rechte Hetzer in Parlamente wählt, vielleicht sogar in eine Regierungsverantwortung, in der sie den ganzen menschenverachtenden Dreck durchzudrücken versuchen würden, den sie mittlerweile ohne Scham und Zurückhaltung in jedes Mikro und jede Kamera kotzen, sobald sich die Gelegenheit ergibt.

Mit diesen „Wählern“ soll ich reden, mir ihre Probleme anhören und sie in ihrer Enttäuschung abholen? Einen Scheiß muss ich!

Nicht eine wohlmeinende Beteuerung, nicht ein schlüssiges Argument, nicht eine konstruktive Auseinandersetzung mit ihren Problemen wird diese Menschen davon abhalten, Nazis zu wählen. Sie wollen Deutschland brennen sehen, wollen wieder beträchtliches Leid über Randgruppen und Subkulturen bringen, wollen zurück in die „gute alte Zeit“.

Ich kann nicht im Ansatz nachvollziehen, was sich diese Menschen davon versprechen. Deren Wertesystem liegt so unglaublich weit von meinem Verständnis von Offenheit, Zuversicht, Wertschätzung, Wohlwollen und Toleranz entfernt, dass ich da keinerlei Anschluss- oder Abholpunkte sehe. Wer sich berufen fühlt, seine wertvolle Lebenszeit dafür zu verballern, Pudding an die Wand zu nageln, der kann das gerne machen.

Was sonst?

Und doch suggeriert die Berichterstattung, man müsse angesichts der Ergebnisse den rechtsnationalen Wähler ernstnehmen. Schaut man sich die absoluten Wahlergebnisse an, ist der „Erfolg“ der rechten Parteien aber vergleichsweise überschaubar und lange nicht so erschütternd, wie es suggeriert wird. Die überwiegende Zahl an Menschen wählt freiheitlich-demokratisch grundgeordnet oder eben leider gar nicht.

Und um diese Menschen sollten wir uns Gedanken machen.

Ich denke, ein Großteil der Menschen möchte in einer offenen, vielfältigen, wertschätzenden und zeitgemäßen Gesellschaft leben, ohne Hass, Missgunst oder Beklemmungen. Und ich möchte gerne eine Politik haben, die das nicht nur in leeren Sonntagsreden vor einer Wahl anbietet, sondern das auch umzusetzen versucht; sachorientiert, nicht machtorientiert.

Es wäre sicher hilfreich, wenn die regierende Politik einfach mal ein bisschen bürgernäher, progressiver und nachhaltiger handeln würde und die Prioritäten mehr auf ein gedeihliches, auskömmliches und wertschätzendes Miteinander legt als auf Machterhalt und z.B. den Wohlstand der Stakeholder aus der Wirtschaft.

Aber das ist sicherlich nur naives und weltfremdes Wunschdenken.

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