Klimaforderungen und kommunale Bildungspolitik: Bauen, Wohnen und Stadtgrün

Der Runde Tisch Klimanotstand Aachen hat dem Rat der Stadt Aachen am 18.09.2019 einen Forderungskatalog zum Klimaschutz vorgelegt. Der Punkt „Bildung“ kommt darin zwar nicht explizit vor, aber Klimaschutz hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bildungspolitik.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Forderungen des Runden Tisches auf die kommunale Bildungspolitik zu beziehen und auf die Auswirkungen und Notwendigkeiten hin abzuklopfen. Da der Forderungskatalog umfangreich ist, teile ich meine Ausführungen in separate Blogposts je Arbeitsgruppe auf; und das auch nicht alles auf einmal, sondern dann, wenn ich Zeit dazu finde.

Und evtl. packe ich auch noch ein paar Kommentare extra dazu, wenn mir etwas auffällt.

Hier also meine Ausführungen zur Arbeitsgruppe „Bauen, Wohnen und Stadtgrün“.

Ein kurzer Hinweis vorneweg: Der Forderungskatalog zum Klimaschutz findet sich übergangsweise hier, bis der Runde Tisch mit seiner eigenen Webseite (vermutlich www.runder-tisch-klimanotstand-aachen.de) online geht.

Bisher habe ich zu den folgenden Forderungen gebloggt:


Da der Abschnitt „Bauen, Wohnen und Stadtgrün“ sehr umfangreich ist, zitiere ich nicht extra aus dem Forderungskatalog, sondern beziehe mich direkt darauf.

A. Bauen und Wohnen

Prinzipiell sind die Forderungen natürlich auch für Schulgebäude anwendbar. Wir müssen uns aber auch darüber im Klaren sein, dass wir damit zukünftig im Schulausschuss über wesentlich höhere Kosten für Schulbauten diskutieren werden. Das ist für mich ok. Ich wollte es nur gesagt haben.

  • (a) Bei Neubau oder Erweiterung von Schulgebäuden sind ebenfalls die klimarelevanten Flächen (Kaltluftschneisen, Grünstrukturen etc.) zu beachten.
  • (b1) Der Abriss eines Schulgebäudes taucht erfahrungsgemäß auch tatsächlich erst dann auf der Tagesordnung auf, wenn das Gebäude nicht mehr nutzbar ist. Wir haben aktuell den Fall in der Grundschule im Preusswald. Und sehr oft sind diese betagten Architekturen einfach nicht mehr für einen zeitgemäßen Unterricht zu gebrauchen. Den Bestand also unbedingt erhalten zu wollen, wäre nicht zielführend und würde ich auch nicht befürworten. Der Fokus sollte eher bei der umweltverträglichen Betrachtung des Neubaus liegen (siehe weiter unten).
  • (b2) Ein Materialkataster für alle Gebäude schließt auch die Schulgebäude ein, aber es ist fraglich, ob das bei 30-40 Jahre alten Gebäuden (teilweise noch älter) sinnvoll ist. Die Aufnahme der Neubau-Materialien hingegen sollte durchaus in einem Kataster erfolgen.
  • (c) Cradle-to-Cradle halte ich persönlich für sehr sexy. Diese Vorgabe sollte in die Planung mit einfließen. Und wer weiß: Vielleicht hat das auch Einfluss darauf, wie die Menschen mit den Gebäuden umgehen. In dem Wissen, dass das Gebäude quasi nur für eine gewisse Zeit eine Schule und danach an anderer Stelle gleichzeitig ein Bürogebäude, eine Feuerwache und ein Parkhaus sein kann, geht man vielleicht etwas umsichtiger damit um. Naives Wunschdenken, ich weiß.
  • (d) Schulgebäude sind generell auf Langlebigkeit ausgelegt. Dazu kommt, dass die moderne Schularchitektur eh variabel gestaltet ist. Wen das Thema „Schularchitektur“ interessiert, dem empfehle ich die Infos der „Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft“ zu pädagogischer Architektur. Sehr spannend, selbst für mich als Nicht-Architekten.
  • (e) Lebensraum statt Parkraum würde ich hauptsächlich auf Personalparkplätze an Schulen beziehen. Wenn die Verkehrsinfrastruktur funtkioniert und z.B. der ÖPNV kostenlos ist, hat das zwingend Auswirkungen auf den Parkraum im Bereich der Schule.
  • (f) Bei der Mischung von Wohnen, Arbeiten und Einkaufen ist es natürlich auch wichtig, das Bildungsangebot in der Nähe zu haben („Kurze Beine, kurze Wege“), allerdings scheint mir das nicht so einfach zu realisieren zu sein. Wir sehen jetzt bei den Überlegungen zur fünften Gesamtschule, dass man nicht mal eben wohnortnah eine Schule für 1000 Menschen aus dem Boden stampfen kann.
  • (g) Für die „Wohnfläche pro Kopf“ gibt es tatsächlich eine schulrelevante Entsprechung: Quadratmeter pro Kind. Das ist einerseits die Zielvorgabe der Verwaltung (nachlesbar in den Produktblättern des städtischen Haushalts), andererseits ist das ein Prüfkriterium der NRW-Gemeindeprüfanstalt (GPA), die anhand dieses „Messwertes“ prüft, ob die Stadt mit ihrem Haushaltsbudget wirtschaftlich umgeht. Beide Punkte halte ich für groben Unfug. Ich möchte entweder kleinere Klassen oder mehr Platz für Kinder. Dementsprechend würde sich der Raumbedarf für Schulen erhöhen, was klar gegen die Forderung spricht. Allerdings sehe ich die tatsächlich auch eher in Richtung Wohnbebauung.
  • (h, i, j) Die Stadt plant und baut ihre Gebäude (und damit auch die Schulen) nach dem Aachener Standard. Ob der jetzt Stand der Technik ist oder ob da mittlerweile noch Luft nach oben ist, das können nur Experten entscheiden. Hier wäre vielleicht eine Anfrage sinnvoll, inwieweit der Aachener Standard bereits die Klimaforderungen abdeckt. Der Begriff „Aachener Standard“ taucht übrigens kein einziges Mal im Forderungskatalog auf. Just sayin‘.
  • (l) Bei Holzbau in Schulgebäuden wäre ich vorsichtig, alleine schon aus Brandschutzgründen. Auch hier gilt: Ich bin nicht der Experte. Da gibt es Menschen, die darüber schon mehr vergessen haben, als ich je gewusst habe.

Der Forderungskatalog lässt leider bei der Planung städtischer Gebäude die Architektur-Wettbewerbe außer Acht. Größere Bauprojekte beginnen mit der Ausschreibung für so einen Architektur-Wettbewerb. In den Ausschreibungsunterlagen sollte für die beteiligten Architekturbüros eben auch klar ersichtlich sein, wie sie ihren Entwurf in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit realisieren müssen. Der angesprochene „Aachener Standard“ mag dafür schon einen Rahmen liefern, aber Dinge wie Cradle-to-Cradle stehen meines Wissens nach noch gar nicht auf der Agenda.

Hier könnte man einen Ratsantrag einbringen, der genau das fordert.


B. Stadtgrün in der Region

Alle Punkte (m) bis (w) sind so mehr oder weniger auch für den Schulgebäudebau wichtig. Ein paar zusätzliche Erläuterungen:

  • (m, n, o, q, s) es versteht sich von selbst, dass das Gelände um ein Schulgebäude herum (und auch das Gebäude selber z.B. mit einer Wand- oder Dachbegrünung) so grün wie möglich sein soll. Was wäre das sonst für eine Lernumgebung?
  • (p, r, t) Baumschutzsatzung ist jetzt kein spezielles Schulgelände-Ding. Und ein Schulgelände wird sicher auch nicht als Ausgleichsfläche oder grüne Konzentrationsfläche fungieren können.
  • (u) Ein „Naturdenkmal“ auf einem Schulgelände fände ich auch aus Bildungsgründen gut. Bei einem Neu- oder Umbau des Gebäudes sollte unbedingt darauf geachtet werden, so ein Denkmal zu erhalten.
  • (v) Zum Missbrauch von Baurecht auf Kosten von Grünflächen kann ich aktuell tatsächlich nichts beisteuern. Hier gilt es einfach, genau wie bei anderen städtischen Bauplanungen genau hinzuschauen.
  • (w) Und was Aufklärungsarbeit und Bürgerinformation angeht, ist das ein typisches Piratenthema.

Zur Einrichtung von Schulgärten sei gesagt:

Umwelterziehung (auch im Rahmen eines Schulgartens) ist eine innere Schulangelegenheit und liegt damit nicht in der Verantwortung der Stadt Aachen. Zumindest ist das die Haltung der Stadt, die ich allerdings nur bedingt teile. Ich sehe einen Schulgarten eher als Infrastruktur, in dem Lernen stattfindet. Aber bevor dieser Konflikt gelöst ist, geht wieder wertvolle Zeit ins Land.

Ende 2016 verfügte ca. ein Drittel der Aachener Schulen über eine Fläche, die für eine Umwelterziehung (sprich Schulgarten) zur Verfügung stehen konnte. Den aktuellen Status kenne ich nicht, lönnte man aber erfragen, wäre aber auch unerheblich: Entweder die Schule hat keinen Garten, dann muss sie ihn einrichten können, oder sie hat einen Garten, dann muss sie ihn pflegen können.

Es gäbe die folgenden Möglichkeiten für Schulen, die einen Schulgarten anlegen/pflegen möchten:

  1. Fragt beim NABU Aachen nach, ob er Euch bei der Planung und Anlage unterstützt. Der NABU war an der Erstellung des Forderungskatalogs beteiligt. Es müsste also einen „kurzen Dienstweg“ geben.
  2. Kontaktiert mal die GemüseAckerdemie. Die bieten ein interessantes Schulgartenprojekt an.
  3. Vielleicht kann auch die Aachener Stiftung Kathy Beys unterstützen, wie sie es aktuell unter anderem im Projekt „FLIP“ macht.

Zur Finanzierung:

  1. Jede Schule verfügt über ein Budget, das dafür geeignet ist. Ansonsten kann vielleicht auch der Förderverein helfen, wobei ich das nicht ganz unktitisch sehe.
  2. Schaut mal, in welchem Stadtbezirk Eure Schule liegt. Die Bezirksvertretungen verfügen ebenfalls über ein ordentliches Budget, von dem zum Ende des Jahres hin immer noch etwas übrig ist. Meiner Erfahrung nach sind die Bezirksvertretungen immer dankbar, wenn man mit der Bitte um Finanzierung eines nachvollziehbaren Projektes an sie herantritt.
  3. Ich werde in den kommenden Haushaltsberatungen einen Posten „Förderung von Schulgärten“ mit einem Budget von 500 Euro pro Schule beantragen. Das genügt sicher nicht z.B. für einen umfangreichen Permakulturgarten, aber es wäre ein Anfang. Und bei diesem Betrag wäre sogar die Chance höher, dass die anderen Fraktionen vielleicht mitziehen.

Falls Ihr Anmerkungen, Ideen oder Fragen zu diesem Themenkomplex im Hinblick auf kommunale Bildungspolitik habt, dann gerne her damit.

Disclaimer: Ich analysiere die Inhalte des Forderungskatalogs nur für meine kommunalpolitische Arbeit. Ich stehe in keiner Verbindung zum Runden Tisch Klimanotstand Aachen. Wenn Ihr grundlegende oder inhaltliche Anmerkungen zum Forderungskatalog habt, dann meldet Euch bitte bei den Menschen vom Runden Tisch.

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