Bürgerbegehren Campusbahn: Noch etwa 3000 Unterschriften fehlen

Die Initiative „Campusbahn = Größenwahn“ hat bereits etwa 5000 der für ein Bürgerbegehren notwendigen 8000 Unterschriften gesammelt.

Die Initiative will mit diesem Bürgerbegehren die Durchführung eines Bürgerentscheids beantragen, um das Projekt Campusbahn zu verhindern, da in ihren Augen u. a. die zugrunde liegenden Rahmendaten nicht schlüssig sind und sie das Projekt mit dem klammen Aachener Stadtsäckel als nicht finanzierbar ansieht.

Disclaimer: Ich möchte klarstellen, dass ich im Folgenden meine eigene Meinung zum Besten gebe und nicht die Meinung der Piratenpartei Aachen.

Ich kann nicht entscheiden, ob die Berechnungsgrundlagen stimmen: Jeder biegt sich seine Statistiken so zurecht, wie es ihm dienlich ist. Entsprechend gehe ich davon aus, dass Politik und Verwaltung (die Befürworter also) sich ihre Argumentation schöngerechnet haben. Wer diesen Grundlagen nicht traut, der möge sie halt widerlegen… was natürlich kaum möglich ist, die gegnerische Position aber immens schwächt.

Desweiteren halte ich es für ein Unding, dass sie das Projekt in Hinterzimmern ausgeklüngelt haben, ohne bei einem Projekt dieses Umfangs eine Bürgerbefragung überhaupt in Betracht zu ziehen (ich meine die frühzeitige Frage „ja oder nein?“ und nicht, wo die Bahn ihre Haltestellen bekommen soll). Stattdessen kippen sie erstes Geld in breit angelegte Marketingkampagnen und organisierte, bezahlte Parteinahme, während sich die Projektgegner in ihrer unbezahlten Freizeit arrangieren müssen und sie ihre Kritik im moderierten Forum der Befürworter vortragen dürfen.

Dieses sehr fragwürdige Vorgehen sowie letzendlich die Einstiegs-Investitionskosten in Höhe von ca. 230 Millionen Euro (Trasse, Betriebshof und Fahrzeuge) sowie die jährlichen Betriebskosten von bis zu 6,5 Millionen Euro bei einem Haushaltsminus von derzeit 40 Millionen Euro bringen mich dazu, mich gegen die Campusbahn auszusprechen.

Sehr zu meinem Leidwesen, denn als technik-affiner Ingenieur begrüße ich ausdrücklich den Einsatz moderner, zukunftssicherer und vielleicht sogar revolutionärer Technologien. Ich würde liebend gerne eine elektrische Stadtbahn durch Aachen fahren sehen:

  • Eine Stadtbahn, deren Akkus durch Smart-Grid-Technologie geladen werden. Immobilien (privat, gewerblich, kommunal) an der Strecke stellen zur eigenen Wärme- und Stromversorgung auf Blockheizkraftwerke um, deren „überschüssiger“ Strom gegen Verrechnung entweder direkt die Campusbahn-Strecke oder jeweils eine nahegelegene (materialschonende) Akku-Lade- und Schnellwechselstation versorgt. Übrigens denkbar auch jeweils betrieben durch eine Versorgergenossenschaft progressiver Aachener Bürger, die das als Aachener Geldanlagemodell in Form von Anleihen nutzen können. Außerdem gab es popelige Elektro-Eisenbahnen bereits 1851. Batteriebetrieb alleine ist also alles andere als innovativ!
  • Die Stadtbahn selber dient als Energiespeicher (Wind, Solar) und kann bei Bedarf einen Teil des Stromes ins Netz zurückspeisen (Straßenbeleuchtung, Ampeln, Parkleitsystem etc.)
  • Aachen wird innerhalb des Innenrings autofrei, und nur gegen Gebühr bzw. Anliegerberechtigung darf jemand mit dem Auto hinein.
  • Die Campusbahn wird in ein entsprechendes P&R-Konzept eingebunden: Die Parkgebühr ermöglicht die kostenfreie Fahrt mit der Campusbahn, und evtl. erstattet der Aachener Einzelhandel sie sogar anteilig bei einem Einkauf ab x Euro.
  • Mögliche Parkflächen wären die Kaiserplatz-Ödnis, der Bendplatz sowie weitere größere und kleinere Brachflächen entlang der Streckenführung, betrieben durch die APAG, die dafür weitere Leute einstellt.
  • An bestimmten Akku-Ladestationen parken Elektro-Taxis, die für kleine Marie Touristen und Kunden laut- und emissionslos durch die Stadt chauffieren. Taxis und Campusbahn speisen sich gegenseitig bei Bedarf.
  • Günstig, bitte! Aktuell 2,50 Euro für ein Ticket der Preisstufe 1 ist unangebracht und steht in keinem Verhältnis zur Leistung, die die ASEAG dafür erbringt! Für 2,60 Euro fahre ich durch ganz Köln und nutze dafür Bus, S- und U-Bahn.
  • Abschließend: Natürlich sollte die Mehrheit der Aachener bei einem Bürgerentscheid klar für dieses Projekt sein, denn es lebt wesentlich von der Akzeptanz der Bürger, deren Geld hier reingesteckt wird (ja, auch Fördergelder sind steuerfinanziert).

All das wäre ein echter Mehrwert, der sowohl noch genauer ausgearbeitet, sicher aber auch aufwändig zu realisieren wäre, den ich aber leider im ganzen Campusbahn-Konzept nicht einmal ansatzweise erkenne. Stattdessen vermute ich, dass

  • aus den 230 Millionen Euro ganz schnell 400 Millionen Euro werden (wie bei Mammutprojekten der öffentlichen Hand üblich),
  • dass lokale Handwerks-, Industrie- und Ingenieurs-Unternehmen durch die europaweite Ausschreibung nicht wesentlich am Projekt beteiligt sind,
  • dass die angestrebten Fahrgastzahlen zu hoch gegriffen waren,
  • dass auch deswegen die veranschlagten Betriebskosten aus dem Ruder laufen und
  • dass es am Ende wieder niemand gewesen sein will, wenn das Projekt nicht wuppt.

Bürgerentscheid: Ja, bitte. Sowohl Befürworter wie Gegner der Campusbahn sollten sich die Chance auf Ausübung eines demokratischen Grundrechts nicht entgehen lassen.

Ich muss leider gegen die Campusbahn stimmen. So schwer es mir fällt.

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