Bericht Schulausschuss StädteRegion Aachen, 15.11.2018

Am 15.11.2018 tagte der letzte städteregionale Schulausschuss für 2018. Hier ist mein Bericht.

tl;dr: Mein Abstimm­ver­hal­ten fin­det ihr hier.

Presse war da, Berichte über die Sitzung habe ich bisher aber noch nicht gesehen.

Bemerkenswert fand ich, dass im Publikum mindestens zwei Jugendliche saßen, die sich am städteregionalen Projekt „JUST – Jugend im Städteregionstag“ beteiligten. Mit den beiden hatte ich mich kurz unterhalten können. Ich habe etwas Hoffnung; und das, obwohl das Aachener Projekt „Politikum“ mangels Interesse vermutlich stillschweigend gestorben ist.

Da wir als Piraten/UFW in der StädteRegion keine Fraktion, sondern „nur“ eine Gruppe sind, nehmen wir an JUST nicht als Mentoren teil.


Baubedarf an der Regenbogenschule, Förderschule der StädteRegion Aachen mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ – 2018/0434 (B)

Das Thema hatten wir in der Sitzung vom 14.06.2018 auf der Tagesordnung, und damals habe ich gegen die Erweiterung gestimmt. Das habe ich hier ausführlich begründet.

An meiner Grundhaltung hat sich nichts geändert, so dass ich auch dieses Mal den Beschluss nicht mitgetragen habe.

Ich brauchte dabei nicht noch einmal alle meine Argumente aus der letzten Sitzung vorzubringen. Ende Oktober 2018 hat der Expertenkreis „Inklusive Bildung“ der deutschen UNESCO-Kommission gefordert, endlich in Deutschland das Förderschul- mit dem Regelschulsystem zusammenzuführen. Unter den sechs Empfehlungen findet sich genau eine, die explizit die Förderschulen betrifft:

  • Förderschulen zu Förderzentren entwickeln.

Die Erläuterung dazu:

Das System der Förder- beziehungsweise Sonderschulen sollte schrittweise zu einem System von Förderzentren entwickelt werden, beginnend mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung, gefolgt von den anderen Förderschwerpunkten.

Die entstehenden Förderzentren sollten die Funktionen der spezifischen Beratung, Medienpflege, Fortbildung und Kommunikation in bestimmten Förderbereichen übernehmen, die allen Schulen und auch den Kindern und ihren Familien unmittelbar zugutekommen können und eine wohnortnahe, erfolgreiche inklusive Beschulung ermöglichen. Die genaue Ausgestaltung und progressive Entwicklung sollte dabei von den demographischen und regionalen Gegebenheiten abhängig sein. In der Umsetzung ist eine enge Zusammenarbeit mit der schulinternen Beratung notwendig.

Zugleich sollten außerschulische, multiprofessionell besetzte regionale Beratungs- und Unterstützungszentren unter Einbeziehung der Schulpsychologie eingerichtet werden, die die inklusive Schulentwicklung unterstützen, unabhängige Diagnostik und inklusive Hilfeplanung ermöglichen, für Eltern und Kinder niedrigschwellig zugänglich sind und mit Jugendhilfe und Sozialamt verbindlich kooperieren.

Es gilt für mich nach wie vor, dass wir uns von einem inklusiven Bildungssystem im Sinne der UN-BRK nur weiter entfernen, wenn wir Förderschulen erweitern.

Im Vorfeld habe ich mit einigen Menschen, die und deren Meinungen ich sehr schätze, intensive Gespräche über diese meine Ansicht geführt. Ich habe die Zeit bis zum Ausschuss intensiv zur Reflexion genutzt und konnte die meisten Argumente, die für die Erweiterung der Regenbogenschule sprechen, nachvollziehen. Und, ja: Ein kommunaler Schulausschuss ist eigentlich nicht das richtige Gremium, um die inklusive Schullandschaft in Deutschland neu zu denken und auf den Weg zu bringen.

Das müsste in höheren politischen Gremien passieren. Tut es aber nicht. Hätte ich jetzt einfach zugestimmt, dann wären wir nach ein paar lobenden Worten für die gute pädagogische Arbeit an der Regenbogenschule anstrengungslos zur Tagesordnung übergegangen. Das kann und will ich so nicht machen, weil mir das Thema zu wichtig ist. Meine Ablehnung war dabei alles andere als gedanken- und sorglos!

Ich konnte im Anschluss leider nur kurz mit der anwesenden Schulleitung der Schule reden und versichern, dass meine Ablehnung überhaupt keine mangelnde Wertschätzung gegenüber der anspruchsvollen Erziehungsarbeit darstellt, sondern eine grundsätzlich kritische Haltung gegenüber der mangelnden Umsetzung der UN-BRK in Deutschland darstellt.

Ich habe eine Einladung zum Besuch der Regenbogenschule erhalten, die ich sehr gerne angenommen habe. Am nächsten Tag erhielt ich eine Einladung zum Besuch der Roda-Schule in Herzogenrath, die ich ebenfalls annehmen werde. Ich werde berichten.


Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ – 2018/0482 (K)

Insgesamt sind Planung und Programm der Ausstellung in der Vorlage etwas dünn geraten. Aber ich bin gespannt und werde mir ganz sicher die erste Ausstellung in der Aachener City-Kirche ansehen.

Mehr zum AMCHA-Projekt findet Ihr hier.

Ich habe die Vorlage zustimmend zur Kenntnis genommen.


Aufbau und Förderung einer „Route des Erinnerns“ in der Euregio Maas-Rhein – 2018/0501 (B)

Die StädteRegion bietet für beide Weltkriege genügend Ansatzpunkte, mit denen sich die Jugend (und leider offensichtlich auch immer noch viele Erwachsene) in Deutschland, Belgien und die Niederlande gemeinsam auseinander setzen sollten. Ich erinnere an den Hochspannungszaun („Grenzhochspannungshindernis“), den die Belgier im Ersten Weltkrieg von Neu-Moresnet bis Knokke zu den neutralen Niederlanden errichtet haben, um eine Flucht nach Belgien zu verhindern.

Ich finde die Vorlage noch sehr abstrakt und unspezifisch. Die Burg Vogelsang soll zwar ein Dreh- und Angelpunkt, aber nicht der Koordinator dieses Projekts sein. Wir werden im zweiten Quartal 2019 eine detailliertere Planung erhalten. Ich bin gespannt und habe dieser Vorlage zugestimmt.


Erfahrungsberichte der jugendbezogenen Sozialarbeit und der Schulsozialarbeit an den Schulen in Trägerschaft der StädteRegion Aachen im Schuljahr 2017/2018 – 2018/0477 (K)

Mir persönlich war diese Vorlage viel zu umfangreich, was ich auch angemahnt habe. Es gibt eigentlich nur drei Optionen:

  1. Die Kolleginnen und Kollegen haben das in ihrer Arbeitszeit geschrieben, in der sie nichts zu tun hatten.
  2. Sie haben die Berichte geschrieben, während sie eigentlich mit den Kindern und Jugendlichen hätten arbeiten knnen/sollen.
  3. Sie haben die Berichte in ihrer Freizeit nach Dienstschluss geschrieben.

Keine dieser Optionen ist für mich akzeptabel. Es wäre zielführend (auch im Sinne von uns Ehrenamtlern, die in ihrer Freizeit 70 Seiten Berichte durcharbeiten müssen, wenn sie es denn ernst meinen), die Berichte auf wesentliche Zahlen zu beschränken und nur bemerkenswerte Erfahrungsberichte hervorzuheben.

In den Berichten habe ich drei „Korrekturfahnen“ gefunden, die sicher nicht für uns Ausschussmitglieder gedacht waren. Das zeigt mir, dass der Umfang eigentlich auch für die Fachkräfte zu hoch ist…

Für alle anderen Ausschussmitglieder scheint das kein Problem zu sein. Ich denke mir mal meinen Teil.

Die Berichte habe ich zustimmend zur Kenntnis genommen. Die Schulsozialarbeit halte ich für einen wesentlichen Baustein in einer vielfältigen und gedeihlichen Bildungslandschaft. Die Arbeit sollte aber vornehmlich am Menschen und nicht am Papier stattfinden.


Multiprofessionelle Teams (MPT) zur Integration durch Bildung für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler an den Berufskollegs der StädteRegion Aachen – 2018/0440 (B)

Das Konzept der Multiprofessionellen Teams halte ich für gut. Den Beschluss habe ich mitgetragen.

Wenn ich Zeit finde, schreibe ich vielleicht mal einen Text zu Multiprofessionellen Teams in inklusiven Klassen.


Städteregionale Sozialberichterstattung; Handlungsempfehlungen im Bildungsbereich – 2018/0471 (K)

Die Hälfte der Vorlage bezieht sich auf die Bewerbung des BK Alsdorf als Talentschule. Dieses Landesprojekt halte ich für Humbug. Aber wenn das Berufskolleg sich beteiligen möchte und die StädteRegion als Träger der Schule das unterstützt, bin ich da leidenschaftslos.

In der anderen Hälfte der Vorlage hätte ich jetzt etwas umfangreichere Informationen eben genau zum Sachstand „sozialraumbezogene Bildungsförderung“ erwartet:

  • Welche Angebote existieren bereits?
  • Welche Evaluation erfolgt bisher oder ist zukünftig geplant?
  • Welche Auswirkungen z.B. auf Personal- oder Finanzplanungen könnten auftreten?

Die StädteRegion ist aktuell mit verschiedenen Bildungsprogrammen ja gar nicht so schlecht aufgestellt. Da hätte ich mich über eine erste Übersicht gefreut.

Es gibt von der Böll-Stiftung eine 20-seitige Handreichung „Prävention durch Kooperation – Empfehlungen zur Bildung im Sozialraum“, die sehr lesenswert ist. Das wäre für die Vorlage ein guter Einstieg gewesen. Und ja, bevor jemand fragt: Die Böll-Stiftung ist eine parteinahe Stiftung der Grünen. Wieso muss ich darauf hinweisen, dass es das gibt? 😉

Die Verwaltung hat angegeben, dass da sicher noch mehr Inhalte kommen, da wir uns bei dem Thema noch sehr am Anfang befinden. Ich bin gespannt auf die zukünftigen Berichte.

Die Vorlage habe ich zustimmend zur Kenntnis genommen.


Mies-van-der-Rohe-Schule: Antrag auf Errichtung des Schulversuchs Ingenieurtechnik in der dreijährigen Berufsfachschule, § 2 Abs. 1 der Anlage C APO-BK – 2018/0454 (B)

Als Diplom-Ingenieur alter Schule (also vor diesem Bologna-Quark) kann ich nur befürworten, wenn die Ausbildung universeller wird.

Ich habe den Beschluss mitgetragen.


Mies-van-der-Rohe-Schule: Antrag auf Errichtung eines Beruflichen Gymnasiums Ingenieurwissenschaften nach Anlage D APO-BK – 2018/0466 (B)

Wie zuvor: Auch diesen Beschluss habe ich mitgetragen.

Ich habe außerdem noch lobend darauf hingewiesen, dass die StädteRegion als Träger der Berufskollegs angenehm schnell auf neue Strömungen am „Ausbildungsmarkt“ reagiert. Das haben wir bereits bei der Einrichtung des Ausbildungsgangs „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“ am BK Herzogenrath gesehen.


Ausbau des Projektes KOBSI (Koordinierungs- und Beratungsstelle für systemische Inklusionshilfen) zur systemischen Stärkung von Schulen des gemeinsamen Lernens in Kooperation mit dem Jugendamtsbezirk der StädteRegion – 2018/0506 (K)

Ich halte KOBSI für ein sinnvolles Mittel in der inklusiven Arbeit an Kindern und Jugendlichen.

Am 04.12.2018 findet im Aachener Geschwister-Scholl-Gymnasium die 2. Zukunftswerkstatt zur „Schulbegleitung in inklusiven Regelschulen“ statt. Ich werde teilnehmen und hoffentlich Gelegenheit finden, mich mit KOBSI-Menschen zu unterhalten.

Die Vorlage habe ich zustimmend zur Kenntnis genommen.


Austausch zwischen den Berufskollegs der StädteRegion Aachen und den entsprechenden Ausbildungsstätten in Südkorea, insbesondere der Region Ansan und Seoul – Antrag der CDU-Städteregionstagsfraktion und der GRÜNE-Städteregionstagsfraktion vom 17.09.2018 – 2018/0437 (B)

Die Vorlage bezieht sich leider nur auf einen Wikipedia-Artikel, der den hohen Leistungsdruck im südkoreanischen Schul- und Hochschulsystem thematisiert.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat jedoch auch einen sehr lesenswerten Beitrag zur ausgeprägten kulturellen Bildungsförderung in Südkorea veröffentlicht.

Bei einem internationalen, und mit Südkorea auch interkulturellen Austausch können alle Seiten nur gewinnen. Solange wir uns nicht auf den dortigen Leistungsfetisch konzentrieren, kann gerade eine Kooperation mit der Mies-van-der-Rohe-Schule und deren Theatergruppe „rohes theater“ anregende Ergebnisse bringen. Ich bin gespannt.

Den Beschluss habe ich mitgetragen.


Internationale und euregionale Bildungsangebote – Antrag der CDU-Städteregionstagsfraktion und der GRÜNE-Städteregionstagsfraktion vom 08.11.2017 – 2018/0112-E1 (K)

Ich sehe es genau so, wie die Verwaltung: Wir brauchen aktuell in der Region keine neuen internationalen Privatschulen.


Lehrerausstattung an Grund- und Förderschulen – Antrag der CDU-Städteregionstagsfraktion und der GRÜNE-Städteregionstagsfraktion vom 05.09.2018 – 2018/0403-E1 (K)

Ich fühle mich ein bisschen bestätigt, wenn ich im letzten Ausschuss festgestellt habe, dass die StädteRegion gar nicht zuständig dafür ist, neue Lehrkräfte einzustellen oder neue Lehramtsstudiengänge einzurichten. Das ist Landesaufgabe. Bäm!

Gleichwohl finde ich die detaillierte Aufstellung des Lehrkräftebedarfs für die nächsten Jahre an Grund- und Förderschulen durchaus wichtig.

Disclaimer: Und über den Bedarf an den Berufskollegs haben wir noch gar nicht im Ausschuss gesprochen…

Sehr gut fand ich den Hinweis der Verwaltung auf das geplante Programm des Bildungsbüros „Werkstatt für Lehrkräfte ohne Lehramt“ (BTW: Die heißen im Verwaltungssprech wohl „LOL“… ich lass das mal hier so stehen). Ich habe darum gebeten, im nächsten Jahr einen Erfahrungsbericht im Ausschuss zu bekommen.

Insofern lag ich tatsächlich ein wenig falsch: Ein bisschen kann die StädteRegion tatsächlich im Bereich Lehrkräfte unternehmen. Das wird sicherlich nicht großflächig unsere Probleme lösen, aber kleine Schritte sind auch Bewegung.

Ich habe die Vorlage zustimmend zur Kenntnis genommen.


Anfragen und Mitteilungen

…gab es keine.


Im nächsten Jahr geht es dann weiter mit den Sitzungen. Ich habe aktuell leider noch keine Termine.

Anmerkungen und Fragen gerne per Mail oder unten als Kommentar.

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