Bericht Schulausschuss StädteRegion Aachen, 12.09.2019

Am 12.09.2019 tagte der Schulausschuss der StädteRegion Aachen. Wir begannen etwas früher, weil wir im Anschluss zum Festakt „75 Jahre Freiheit – Roetgen erinnert“ geladen waren.

Die Tagesordnung war erfrischend kurz, wobei es bei drei der fünf TOPs um Förderschulen ging; willkommene Gelegenheiten also für Reflexionen zur Inklusion.

tl;dr: Mein Abstimm­ver­hal­ten fin­det ihr hier.

Presse war da, Bürgerfragen gab es wie immer keine. Und hätte ich weniger meinen Senf zu den TOPs gegeben, wären wir sogar unter einer Stunde Sitzungsdauer geblieben… 😉


„Unterstützte Kommunikation“ an der Kleebach-Schule der StädteRegion Aachen – 2019/0342 (K)

Auf diesen Punkt habe ich mich gefreut, seit die Tagesordnung online war.

Ein sehr spannendes Thema, wie ich finde. Wie kommunizieren Menschen, die nicht sprechen können oder wollen?

Ich bin z.B. der festen Meinung, dass Gebärdensprache bereits in Grundschulen ein festes Schulfach sein sollte. Es wäre nicht nur für die Inklusion ein Quantensprung, sondern würde ganz allgemein das Verständnis für „Sprache“ erweitern. Im Gegensatz zur laut- und schriftgebundenen Grammatik unserer Alltagssprache, also der Sprache der Hörenden und Sprechenden, lebt die Gebärdensprache von einer direkten bis abstrakten Mimik, Gestik und Bewegung sowie von einem flexiblen Satzaufbau. Wer einmal Mails von gebärdenden Menschen gelesen hat, der weiß, was ich meine. 😉

Und die Gebärdensprache ist ja nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten. Wie kommunizieren Menschen, die zusätzlich nicht sehen oder sich nicht bewegen können? Bei den Recherchen zu diesem Tagesordnungspunkt bin ich auf das Lorm-Alphabet gestoßen. Faszinierend.

Und auch die Digitalisierung kann bei der „Unterstützten Kommunikation“ hilfreich sein, so dass wir heute Möglichkeiten der Teilhabe besitzen, an die vor 10 Jahren noch nicht zu denken waren.

Davon brauchen wir viel mehr, vor allem an Regelschulen. Inklusion… wissenschon.

Ich habe den TOP sehr zustimmend zur Kenntnis genommen.

Wir Ausschussmitglieder haben außerdem eine Einladung der Schule bekommen, damit wir uns UK direkt im Einsatz ansehen können. Das Angebot nehme ich sehr dankbar an.

Übrigens: UK ist im Studium der Sonderpädagogik wohl nur als Zusatzqualifikation zu erwerben. Der Bedarf an fachkundigen Lehr- und Unterstützungskräften ist groß, aber kaum zu decken. Wer mehr Informationen haben möchte, der kann sicherlich bei der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. mehr darüber erfahren.


Rechtsverordnung über die Bildung von Schuleinzugsbereichen für die Förderschulen der StädteRegion Aachen gem. § 84 Schulgesetz NRW (SchulG) – 2019/0331 (B)

Die folgende Änderung im Einzugsbereich der Erich Kästner-Schule in Eschweiler hat sich ergeben:

SchuleFörderschwerpunktStandortEinzugsbereich 2016Einzugsbereich 2019
Astrid-Lindgren-SchuleEmotionale und soziale EntwicklungEschweilerAlsdorf
Baesweiler
Eschweiler
Herzogenrath
Stolberg
Würselen
Alsdorf
Baesweiler
Eschweiler
Herzogenrath
Stolberg
Würselen
Erich Kästner-SchuleSpracheEschweilerEschweiler
Monschau
Stolberg
Roetgen
Simmerath
Eschweiler
Stolberg
KleebachschuleGeistige EntwicklungAachenAachenAachen
LindenschuleSpracheAachenAachenAachen
MartinusschuleSpracheBaesweilerAlsdorf
Baesweiler
Herzogenrath
Würselen
Alsdorf
Baesweiler
Herzogenrath
Würselen
RegenbogenschuleGeistige EntwicklungStolbergEschweiler
Monschau
Roetgen
Simmerath
Stolberg
Eschweiler
Monschau
Roetgen
Simmerath
Stolberg
Roda-SchuleGeistige EntwicklungHerzogenrathAlsdorf
Baesweiler
Herzogenrath
Würselen
Alsdorf
Baesweiler
Herzogenrath
Würselen

Alle anderen Einzugsbereiche bleiben unverändert.

Nun ja… weil der Förderschulverband Nordeifel sein Angebot weiter stärken darf, sollen zukünftig die förderbedürftigen Kinder aus Monschau, Roetgen und Simmerath nicht mehr zur Erich Kästner-Schule fahren müssen.

Ich bin ein großer Freund von Schuleinzugsbereichen bzw. Schulbezirken. Das Motto „Kurze Beine, kurze Wege“ sollte hier Maßgabe sein. Damit ist relativ sichergestellt, dass alle Kinder aus der Nachbarschaft sich sowohl in der Schule als auch nach Unterrichtsende auf dem Spielplatz treffen. Außerdem ermöglichen diese Bereiche eine verlässliche Schulplanung, da klar ist, welche Kinder aus welchen Wohngegenden welche Schulen besuchen (werden). Gerade in Aachen fehlt uns diese Steuerung gänzlich.

Ich habe der Änderung der Schuleinzugsbereiche bei den Förderschulen vor drei Jahren zugestimmt, weil es darum ging, eine auslaufende Förderschule abzufedern. Jetzt die Rolle rückwärts zu beschließen, um diese Förderschule wieder zu stützen, widerspricht fundamental meinem Verständnis von Inklusion. Das wisst Ihr.

Deshalb habe ich die Rückabwicklung der Einzugsbereiche abgelehnt.

Wenn sich Zeit und Gelegenheit ergeben, schreibe ich vielleicht noch mal einen Artikel über 10 Jahre Inklusionsversagen in Deutschland.


Unbefristete Weiterführung von „KOBI“ (Optimierung der Integrationshilfe im Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ durch den Einsatz einer Clearing-, Beratungs- und Vernetzungskraft) an der Kleebach-Schule und der Regenbogenschule – 2019/0336 (B)

Es geht darum, dass das KOBI-Projekt allen Beteiligten einen großen Nutzen bringt (und zudem eine Menge Geld spart).

Weil die SPD Beratungsbedarf für die Haushaltsberatungen angemeldet hat, haben wir aus dem Beschluss eine Kenntnisnahme gemacht.

Angesichts der Erfolge des KOBI-Modells hätte ich die Entfristung der Kräfte auch beschlossen. Jetzt habe ich die Vorlage halt nur zustimmend zur Kenntnis genommen. Mit dem eingesparten Geld wäre sogar noch die Einstellung weiterer Kräfte möglich, aber mich fragt ja niemand.

Apropos:

In der Vorlage steht etwas davon, dass Menschen die Arbeit als Inklusionshelfer nutzen, um auf einen Studienplatz zu warten. Geht das mit dem Studium klar, sind sie weg; auch, wenn es innerhalb des laufenden Schuljahres ist…

Sind wir hier beim Bulettenbrater um die Ecke?! Mir wäre so eine Aufgabe viel zu wichtig, als dass ich das nur als Lückenbüßer machen würde… laut Verwaltung kommt das aber selten vor, und die Inklusionshelfer haben schon während eines freiwilligen sozialen Jahres oder als Bufdi dort gearbeitet, so dass Einrichtung und Hilfskräfte wissen, wie sie miteinander auskommen.

Ein Geschmäckle hat es trotzdem bei mir hinterlassen.

Oh, und es sind wohl hauptsächlich Frauen, die diesen Job machen möchten. Ich schmeiße mal das Schlagwort „Boys Day“ in den Ring. *Hüstel*


Neues Projekt im Regionalen Bildungsnetzwerk: „was geht! Rein in die Zukunft“ – Kooperation mit der Walter Blüchert Stiftung und städteregionalen Berufskollegs – 2019/0378 (K)

Eine private Stiftung bietet sich an, in öffentlichen Schulen ein Förderprojekt für Jugendliche zu starten und das alles (zumindest im ersten Jahr) komplett zu bezahlen und über einen eigenen Träger alle Fachkräfte bereitzustellen.

Nun ja… es grummelt etwas in der Magengegend, aber zum Einen war es nur eine Kenntnisnahme, und zum Zweiten konnte die Verwaltung ziemlich gut darlegen, dass die Schulträger anderer Kommunen, in denen die Stiftung unterwegs ist, auch nur positiv über dieses Projekt berichtet haben.

Zum Sehen habe ich es zustimmend zur Kenntnis genommen.

Die Linke hat darum gebeten, nach dem ersten Projektjahr eine Evaluation zu machen.

Dem kann ich mich nur anschließen, denn noch ist die Anschlussfinanzierung nicht geklärt. Ich kann mir da verschiedene Szenarien ausmalen, in denen die StädteRegion als Träger in einem Jahr problematische Entscheidungen treffen muss.

Ach, übrigens: Eine Begründung war auch, dass das Projekt die StädteRegion ja nichts kostet. Über Bande ist das ein Trugschluss.

Die Stiftung finanziert sich aus Geldern der Visella Stiftung in Liechtenstein, die nach eigenen Angaben ein Vermögen von 200 Mio Euro verwaltet. Ich bin kein Experte im Europäischen Steuerrecht, aber das sieht zumindest verdächtig danach aus, als ob hier ein geschicktes Steuervermeidungskonstrukt am Start ist.

Wenn das so sein sollte, dann zahlt tatsächlich nicht die StädteRegion das Projekt… dann zahlen wir alle es.

Ich wollte es nur erwähnt haben.


Stärkung der Erinnerungskultur/historisch-politischen Bildung im Regionalen Bildungsnetzwerk – Sachstandsbericht und Verstetigung des Arbeitsbereichs – 2019/0379 (B)

Die Vorlage bietet einen bunten Strauß an Aktionen und Vorträgen.

Gerade in Zeiten, in denen die Schlumpfnazis den Stammtisch wieder salonfähig machen wollen, halte ich es für wichtig, viele Möglichkeiten für Aufklärung und Achtsamkeit anzubieten.

Ich war etwas verwundert, dass das Projekt neben ca. 500 Lehrkräften auch nur ca. 550 Jugendliche erreicht hat. Das ist aber noch der überschaubaren Personaldecke geschuldet, die das Bildungsbüro für dieses Projekt aufzubieten hat.

Ich habe dafür gestimmt, dass das Projekt ausreichend finanziert und entsprechend weitergeführt wird.

Im Anschluss fand übrigens der Festakt „75 Jahre Freiheit – Roetgen erinnert“ im Bürgersaal Roetgen statt. Es war ziemlich bewegend, denn auch Angehörige der US-Soldaten, die damals in Roetgen und Umgebung kämpften, waren anwesend. So geht das mit Frieden und Versöhnung.


Mitteilungen der Verwaltung gab es keine, weder im öffentlichen noch im nicht-öffentlichen Teil.

Kommentare und Anmerkungen zu meinem Bericht wie immer gerne in den Kommentaren.

Der nächste Schulausschuss in der StädteRegion tagt am 07.11.2019.

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