Bericht Schulausschuss StädteRegion Aachen, 04.03.2020

Am 04.03.2020 tagte der Schulausschuss der StädteRegion. Hier ist mein Bericht.

tl;dr: Mein Abstimmverhalten fin­det ihr hier.

Presse war da, Publikum auch. Aber es gab wieder keine Fragen.


Ö2: Schulstatistik 2019/2020 für die Schulen in Trägerschaft der StädteRegion Aachen – 2020/0113 (K)

Es sieht mau aus:

786 Schülerinnen und Schüler weniger besuchen im aktuellen Schuljahr 2019/2020 die Schulen der StädteRegion (Berufskollegs, Förderschulen, Schule für Kranke, Weiterbildungskolleg und Abendrealschule).

An den Berufskollegs sind es insgesamt 690 weniger junge Menschen. Ich habe mal zum Vergleich die Zahlen ab 2011/2012 aus der StädteRegion Aachen, dem Regierungsbezirk Köln und gesamt NRW gegenübergestellt:

SchuljahrStädteRegion Aachen+/- zum Vorjahr (abs./%)Regierungsbezirk Köln gesamt+/- zum Vorjahr (abs./%)NRW gesamt+/- zum Vorjahr (abs./%)
Quelle: IT.NRW (Tabelle 21121-0710is)
2019/202017811-690 / -3,73%----
2018/201918501-107 / -0,58%116936-1529 / -1,29%510961-7194 / -1,39%
2017/201818608-250 / -1,33%118465-519 / -0,44%518155-3131 / -0,60%
2016/201718858-87 / -0,46%118984-760 / -0,63%521286-2685 / -0,51%
2015/201618945104 / 0,55%119744-1549 / -1,28%523971-6182 / -1,17%
2014/201518841-114 / -0,60%121293-1400 / -1,14%530153-8768 / -1,63%
2013/201418955-178 / -0,93%122693-1078 / -0,87%538921-3523 / -0,65%
2012/201319133-172 / -0,89%123771-3044 / -2,40%542444-11773 / -2,12%
2011/201219305-126815-554217-

Die Statistik zeigt (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) zweierlei:

  • Das aktuelle Schuljahr haut richtig rein. Für NRW und den Regierungsbezirk Köln und das aktuelle Schuljahr 2019/2020 hat IT.NRW noch keine Zahlen. Da bleibt es abzuwarten, ob es dort ähnlich verheerend aussieht.
  • Der Vergleich zu NRW gesamt und dem Regierungsbezirk Köln zeigt, dass wir mal schlechter, mal besser dastehen. Es scheint also kein spezielles Problem der StädteRegion zu sein.

Disclaimer: Natürlich ist es schwierig, anhand von allgemeinen und noch allgemeineren Zahlen irgendwelche Vergleiche anzustellen. Vielleicht gibt es Kommunen oder Kreise in NRW, die mit steigenden Zahlen und knappen Plätzen kämpfen müssen. Das gibt dieses Zahlenblitzlicht nicht her. Vielleicht habt Ihr für Euren Schulträger gerade Zahlen parat, die sich hier drüberlegen lassen. Dann gerne her damit.

Spaßeshalber habe ich mir mal die Übergangszahlen von der SekI zur SekII an den weiterführenden Schulen in NRW (ohne Berufskollegs) im gleichen Zeitraum angesehen (Berufskollegs sind ja SekII-Schulen, kommen also erst dann in Frage, wenn man seine SekI-Schulpflicht erfüllt hat).

JahrStädteRegion AachenRegierungsbezirk KölnNRW gesamt
Quelle: IT.NRW (Tabelle 21111-122is)
Abschlussklassen SekI (Vorjahr)SekII-Klassen (abs./%)Abschlussklassen SekI (Vorjahr)SekII-Klassen (abs./%)Abschlussklassen SekI (Vorjahr)SekII-Klassen (abs./%)
2018/20194.4272.189 / 49,45%37.38318.355 / 49,10%155.74472.214 / 46,37%
2017/20184.6262.092 / 39,63%38.20118.128 / 41,77%161.11772.874 / 45,23%
2016/20174.6802.227 / 41,77%38.54518.520 / 42,40%161.66173.969 / 41,07%
2015/20164.7042.222 / 41,56%38.73118.795 / 42,94%163.76674.571 / 41,02%
2014/20154.7272.235 / 41,30%39.49218.964 / 42,45%166.99175.427 / 40,73%
2013/20144.8972.313 / 41,38%40.83219.382 / 42,07%172.94577.637 / 40,51%
2012/20134.9652.416 / 42,79%40.53419.553 / 42,82%171.56777.564 / 40,84%
2011/20124.9662.219 / 39,05%40.22018.773 / 41,51%171.79276.393 / 40,27%

Was auffällt: Über die Jahre sinken überall die Zahlen der SekI-Abschlüsse, die Zahlen der Übergänge nach SekII steigen aber tendenziell. Das könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass wir es mit einem speziellen Problem der Berufskollegs zu tun haben, nicht z.B. mit Demographie; zumindest nicht hauptsächlich. Immer mehr der wenigen Jugendlichen wollen auch einen SekII-Abschluss machen, aber nicht an einem Berufskolleg.

Ich packe hier mal die Erklärfilme zum „Berufskolleg in NRW“ dazu. Vielleicht kann ich ja etwas Neugier wecken. Denn ich denke nicht, dass das Berufskolleg eine aussterbende Schulform ist.

Die Zahlen der Abendrealschule sind übrigens ebenfalls übel. Wir werden tatsächlich nicht drumherum kommen, auch die Abendrealschule ins Weiterbildungskolleg einzugliedern. Mehr dazu weiter unten.

Ich habe die Zahlen zustimmend zur Kenntnis genommen.


Ö3: Eckpunktepapier des Landkreistags NRW zur Stärkung und Weiterentwicklung der Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen – 2020/0160 (K)

Gerade im Hinblick auf die vorherigen Zahlen halte ich das Eckpunktepapier für eine wichtige Ansage.

Interessanterweise fließen gerade Fördergelder von Land, Bund und EU in Höhe von 5,5 Mio Euro an Berufskollegs im Kreis Recklinghausen. Die Berufskollegs dort beschulen seit dem Schuljahr 2011 ebenfalls immer weniger Jugendliche und bis zum Jahr 2018/2019 bewegt sich das im städteregionalen Bereich.

Man darf gespannt sein, ob auch die anderen NRW-Berufskollegs finanzielle Unterstützung erhalten.

Ich habe das Eckpunktepapier zustimmend zur Kenntnis genommen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das die Lösung ist. Bisher habe ich noch keine Untersuchung gesehen, die analysiert, woher die sinkenden Zahlen kommen… Unkenntnis bei Eltern und Jugendlichen? Mangelndes Vertrauen? Ungenügende Ausstattung?

Falls Ihr da irgendwelche belastbaren Studien habt, dann gerne her damit.


Ö4: Berufliche Schulentwicklungsplanung für die Berufskollegs der StädteRegion Aachen – Einladung Schulforum und aktueller Sachstand – 2020/0144 (K)

Es wird am 22.04.2020 ein Treffen aller Verantwortlichen geben, die sich über eine gedeihliche Schulentwicklungsplanung Gedanken machen sollen. Auch ich werde dabei sein und im Rahmen meiner Möglichkeiten berichten.

Den Punkt habe ich sehr zustimmend zur Kenntnis genommen. 😉


Ö5: Errichtung von IT-Bildungsgängen an Berufskollegs der StädteRegion Aachen zum Schuljahr 2020/2021 – 2020/0125 (B)

Die Einrichtung zukunftsfähiger Ausbildungsgänge befürworte ich. Wir müssen uns immer wieder klarmachen, dass die Digitalisierung auch, aber eben nicht nur Hilfsjobs obsolet macht, sondern auch anspruchsvolle Jobs wie zum Beispiel Zahntechniker (mein Paradebeispiel).

Zusätzliche Informationen zu den neuen Fachrichtungen „Digitale Vernetzung“ und „Daten- und Prozessanalyse“ findet Ihr beim BIBB.

Ich habe der Einrichtung der beiden neuen Bildungsgänge zugestimmt. Wie schon bei der Einrichtung des Ausbildungsgangs „Kaufmann/Kauffrau für E-Commerce“ finde ich es sehr gut, wie frühzeitig die StädteRegion auf neue und modernisierte Regelungen reagiert.


Ö6: Ausbildungswohnheim für Auszubildende durch Umbau des Gebäudes in der Lothringerstraße zu einem Wohnheim für Auszubildende; – Antrag der FDP-Städteregionstagsfraktion vom 20.11.20192020/0112 (B)

Falls wir das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in der Lothringer Straße verlegen, möchte die FDP das Gebäude zu einem Ausbildungswohnheim umbauen lassen. Es gab einen erweiterten Beschluss von CDU/Grüne, prinzipiell nach Standorten zu suchen und sich nicht nur auf das Gebäude in der Lothringer Straße zu fokussieren.

Prinzipiell ist es nicht einfach, ein Schulgebäude „umzuwidmen“. Oftmals sind in den Gebäuden Fördergelder verbaut, die eine Schulbindung auf 10 oder mehr Jahre festlegen.

Ich habe der Verwaltung mit auf den Weg gegeben, auch die folgenden beiden Dinge zu prüfen:

  • Ist eine „Umwidmung“ als Ausbildungswohnheim prinzipiell möglich?
  • Und wären da noch irgendwelche Fördergelder (z.B. Gute Schule 2020) zurückzuzahlen, wenn eine Umwidmung erfolgt?

Ansonsten habe ich den Beschluss so mitgetragen. Es handelt sich erst einmal um einen Prüfauftrag, bei dem wir schauen müssen, was dabei herauskommt. Im kommenden Schulausschuss bekommen wir vielleicht schon einen ersten Bericht.


Ö7: Schließung der Abendrealschule Aachen und Erweiterung des Weiterbildungskollegs um den Bildungsgang Abendrealschule – 2020/0132 (B)

Wie oben erwähnt: Die Zahlen sind wiederholt viel zu niedrig, als dass rein rechtlich die Abendrealschule in dieser Form bestehen bleiben kann.

Wir als Bildungspolitiker können da nicht mehr viel machen, außer eben, die Schule zu schließen; wobei „schließen“ hierbei meint, das Angebot der Abendrealschule in das Weiterbildungskolleg zu übernehmen.

Es handelt sich also eher um eine Neustrukturierung, denn die beiden Aachener Standorte Eintracht- und Bischofstraße bleiben zunächst bestehen. Damit ist sichergestellt, dass der Weiterbildungsstandort Aachen auch weiterhin lokal das Angebot „Abendrealschule“ vorhält.

Es gab noch eine spontane Änderung im Beschlussvorschlag: Die Namensnennung sollte noch offen bleiben und erst in 2021 erfolgen. Ich habe den Beschluss so mitgetragen.

Man darf gespannt sein auf die beiden zukünftigen Rahmenbedingungen:

  • Wie entwickeln sich die Zahlen zukünftig am Weiterbildungskolleg? Wenn die weiterhin sinken, haben wir nur ein paar Jahre gewonnen. Wenn dann aus Gründen auch das Weiterbildungskolleg schließen muss, wäre das fatal, da wir dann in der Region gleich drei Studiengänge verlieren werden.
  • Wie wird sich die Zusammenarbeit mit der VHS Aachen gestalten. Da habe ich den Vorteil, dass ich das im Aachener Schulausschuss werde mitberaten können.

Aus der Verwaltung kam die Ansage, dass das Weiterbildungskolleg mit den gemeinsamen Studierendenzahlen erst einmal solide aufgestellt ist. Das sehe ich auch so, aber es schadet ja nichts, immer etwas genauer hinzusehen. 😉


Ö8: Ausbau der Maßnahmen im Modellprojekt KOBSI zum Schuljahr 2020/2021 – 2020/0224 (B)

KOBSI halte ich nach wie vor für ein sehr hilfreiches Projekt.

Den Beschluss habe ich so mitgetragen.


Ö9: Beschlusskontrolle – 2020/0224 (K)

Aus meiner Sicht alles ok. Auch bei NÖ1, der Beschlusskontrolle für nicht-öffentliche Beschlüsse.


Unter Mitteilungen der Verwaltung gab es im öffentlichen Teil die Nachricht über die Neubesetzung einer Förderschule. Ich war weiland bei der Vorstellung des neuen Schulleiters dabei und habe mich, wie alle anderen auch, für ihn ausgesprochen.

Im nicht-öffentlichen Teil gab es eine Frage zum Umgang mit dem Corona-Virus an den Schulen. Es sieht so aus, dass das Gesundheitsamt federführend bei allen Maßnahmen ist (weil es halt um Gesundheit geht) und entsprechend die Schulverwaltung da nur zuarbeitet. Es klang alles erfreulich unaufgeregt, was ich sehr befürworte.

Es kam unter anderem die Frage auf, ob und wie man denn z.B. die Schülerinnen und Schüler trotz geschlossener Schulen unterrichten könne. Ich habe mich an der Diskussion nicht weiter beteiligt, da es ansonsten doch den Rahmen gesprengt hätte (es ging ja eigentlich nur um „Mitteilungen“). Aber prinzipiell ist es nie eine schlechte Idee, sich auch mal Gedanken darüber zu machen, ob in Zeiten von „flipped classroom“ und Youtube-Erklärbären ein 100%iger Präsenzunterricht noch zeitgemäß ist.

Aber das muss man mal in einem anderen Rahmen diskutieren.


Die Sitzung war kurz vor 17 Uhr zu Ende! Damit war es die kürzeste Ausschusssitzung ever zu meiner Zeit… ich muss mich einfach wieder öfter zu Wort melden! 😉

Der nächste Schulausschuss der StädteRegion tagt am 04.06.2020. Leider habe ich da eine Termindoppelung mit dem Schulausschuss der Stadt Aachen. Ich muss schauen, wie ich mich da gekramt bekomme.

Für Fragen oder Anmerkungen nutzt bitte wieder die Kommentarfunktion, aber bitte nicht alle auf einmal. 😉

Ein Gedanke zu „Bericht Schulausschuss StädteRegion Aachen, 04.03.2020

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