Ausbildungsabbrecher und KAoA

Als kleiner Nachtrag zu meiner Kritik zum NRW-Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) sei hier noch ein wenig Statistik zu den Auflösungen von Ausbildungsverträgen nachgereicht.

Ausbildungsabbrecher

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat dieser Tage den „Berufsbildungsbericht 2017“ veröffentlicht, der die Statistiken zur beruflichen Bildung (Ausbildung, nicht Studium) des Jahres 2016 behandelt. Darin finden sich ab Seite 75 die Zahlen zu den in 2015 vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträgen, also der Ausbildungen, die vor dem Ende der vereinbarten Dauer abgebrochen wurden. Verträge, die vor Beginn der Ausbildung wieder aufgelöst wurden, sind in der Statistik nicht erfasst.

Das Bundesinstitut für berufliche Bildung liefert mit dem „Datenreport 2017“ flankierendes Zahlenwerk und umfangreiche Erläuterungen dazu. Diese Erläuterungen zu den Vertragsauflösungen finden sich ab Seite 158.

Beiden Dokumenten ist zu entnehmen, dass die bundesweite Abbrecherquote sich seit Jahren zwischen 20-25% bewegt.

Das Statistische Landesamt NRW (IT.NRW) hat die entsprechenden Abbrecherzahlen für NRW seit 2010. Hier schwanken die Zahlen zwischen 22-24,4%, liegen also etwa im Bundesdurchschnitt.

Kein Abschluss ohne Anschluss

Das NRW-Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ soll seit 2012 dafür sorgen, dass Jugendliche nach der Schule geschmeidig in einen Beruf wechseln, der zu ihnen passt und für den sie Interesse zeigen.

In den Haushaltsplänen des Landes NRW sind von 2012 bis 2015 die Ausgaben für KAoA nicht eindeutig zuzuordnen. Im Jahr 2016 waren 13 Millionen Euro veranschlagt, in den Jahren 2017 und 2018 waren es jeweils 14 Millionen Euro (jeweils Position 11 029 686 80 253 in den Einzelplänen). Das macht alleine schon in den vergangenen drei Jahren ganze 41 Millionen Euro, die in die Berufsqualifizierung von Schulkindern geflossen sind und weiterhin fließen.

Fazit

Ein Fünftel bis ein Viertel der Azubis in NRW brechen ihre Ausbildung also frühzeitig ab, und das schon seit Jahren. Das mag auch daran liegen, dass die Chemie zwischen Azubi und Betrieb nicht stimmt, dass Anspruchs- und Erwartungshaltung auseinanderdriften oder sich persönliche Lebenssituationen ändern. Abbrecherquoten von bis zu 25% sind in meinen Augen aber keine Einzelfälle oder Verknüpfungen unglücklicher Zufälle mehr, sondern das ist ein Systemfehler.

An anderer Stelle habe ich bereits erläutert, dass ich wegen der zweifelhaften „Humankapital“-Ideologie und der fragwürdigen Umsetzung nichts von „KAoA“ halte. Da niemand bei „KAoA“ eine Evaluation durchführt, um zu schauen, ob diese zig Millionen Euro auch eine Wirkung erzielen, halte ich die Abbrecherzahlen zumindest für einen Indikator. Derart finanziell unterfüttert sollte „KAoA“ es innerhalb von einigen Jahren doch wohl schaffen, diese Zahlen positiv zu beeinflussen.

Seit 2016 ist die Teilnahme bei „KAoA“ an den NRW-Schulen verpflichtend: Alle achten Klassen müssen da durch. Ab 2018 müssten damit die Abbrecherzahlen merklich zu sinken beginnen, denn dann beginnen diese Jugendlichen von damals eine Ausbildung, die sich durch „KAoA“ eigentlich herauskristallisiert haben soll…

Ich bin auf die Berufsbildungsberichte 2019 und 2020 gespannt.

Vielleicht findet sich aber auch in der Zwischenzeit jemand, der von der NRW-Landesregierung einmal eine Evaluation von „KAoA“ einfordert.

2 Gedanken zu „Ausbildungsabbrecher und KAoA

  1. Mich würde interessieren, wie in dieser Statistik etwa mein Fall bewertet wird. Also einerseits eine Auflösung des Vertrags, aber zeitnah ein neuer Ausbildungsvertrag zur Fortsetzung der Ausbildung.

    Davon abgesehen, mache ich aber derzeit auch eine andere Beobachtung:
    Es wird vermehrt via switch ausgebildet. D.h. man nimmt Studienabbrecher, die dann nur halb so lange ausgebildet werden müssen und schneller fertig sind. Das mag gut für den betroffenen Studenten und den betroffenen Betrieb sein. Aber systemisch betrachtet ist das eine Verschlechterung für die Auszubildenden, da sie nun den höheren Konkurrenzdruck von Abitur + Uni mit bekommen und das ganze eher wie ein erzwungenes Nachsitzen wirkt.

    Gedacht war es mal so, dass die Ausbildung als parallele zum Abitur gilt, wenn sie aber erst nach Abitur und ggf. nach einem Studium kommt, ist das System wie es ist absurd.

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