Aachener Piraten warnen vor dem Einsatz der App „Schutzranzen“

Die Aachener Piraten haben gestern eine Pressemeldung zum Projekt „Schutzranzen“ herausgegeben. In der Zwischenzeit (Stand: 26.01.2018, 12 Uhr) haben sich die Stadt Wolfsburg und die Volkswagen AG offiziell aus dem Projekt zurückgezogen. Weiterhin an Bord sind u.a. die Firma Coodriver, die Stadt Ludwigsburg und der AvD.

Ich veröffentliche hier die Pressemeldung im originalen Wortlaut mit Streichungen, weil es um unsere prinzipielle Haltung zum Thema „Überwachung von Kindern“ geht und es völlig wumpe ist, wer sich daran als Projektförderer beteiligt.

Aachener Piraten warnen vor dem Einsatz der App „Schutzranzen“

Das Projekt „Schutzranzen“, eine Entwicklung des Startups Coodriver in Kooperation unter anderem mit der Volkswagen AG und dem AvD, möchte den Schulweg von Kindern sicherer machen, schießt jedoch weit über das Ziel hinaus.

Per GPS-Tracking sollen Eltern über eine App jederzeit den Aufenthaltsort ihrer Kinder ermitteln. Autofahrern teilt die App mit, ob sich gerade Kinder mit dem entsprechenden Tracker in ihrer direkten Umgebung aufhalten.

„Das ist auf so vielen Ebenen bedenklich, dass es schwerfällt, sich auf die gröbsten Schnitzer zu beschränken“, so Michael Sahm, bildungspolitischer Sprecher der Aachener Piraten.

Die fragwürdige Datenschutzlage ist noch das geringere Problem, obwohl nicht eindeutig ersichtlich ist, wer alles Zugriff auf die Kommunikation zwischen App und weltweiten Cloud-Servern hat.

„Viel fataler ist das Signal, das hier alle Beteiligten erhalten“, so Sahm weiter. „Das Projekt suggeriert den Eltern, es sei in Ordnung, ihre Kinder auf Schritt und Tritt zu überwachen. Für Kinder wird die Überwachung und damit der Verlust von Privatsphäre zur Gewohnheit. Und Autofahrer brauchen nur dann ihre Fahrweise anzupassen, wenn eine App sie darauf hinweist.“

Sehr viel sinnvoller ist eine umfassende Verkehrserziehung an den Schulen und in den Elternhäusern, eine vernünftige Absicherung der Schulwege durch vorbeugende bauliche Maßnahmen und entsprechende Verkehrsregelungen sowie empfindliche Strafen bei deren Missachtung.

„Man kann durchaus fortschrittliche Technologien im Hinblick auf fahrerlose Autos und moderne Verkehrskonzepte entwickeln,“ schließt Michael Sahm. „Das darf aber nicht zu Lasten der Privatsphäre, des gesunden Menschenverstands und schon mal gar nicht unter dem Deckmäntelchen des Kinderschutzes passieren.“

Der Verein Digitalcourage e.V. sammelt Unterschriften für einen offenen Brief an die beteiligten Unternehmen mit der Forderung, die Überwachung von Kindern zu stoppen.
https://aktion.digitalcourage.de/civicrm/petition/sign?sid=5&reset=1

 

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